Warum Jacquard besser wirkt, wenn er Teil des Stuhls wird
- Media ASKT

- vor 12 Stunden
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Ein kürzlich veröffentlichter Beitrag von Fabb sp. z o.o. hat mich dazu gebracht, erneut darüber nachzudenken, wie Möbelhersteller und Einkäufer Jacquardbezüge beurteilen.
FABB hat dabei einen wichtigen Punkt hervorgehoben: Jacquard wurde ursprünglich nicht nur entwickelt, um dekorative oder nostalgisch wirkende Muster nachzubilden. Das Verfahren entstand vielmehr mit dem Ziel, aufwendige Webmuster präziser, wiederholbar und besser kontrollierbar herzustellen.
Noch wichtiger ist, dass ein Jacquardmuster nicht nachträglich auf die Oberfläche eines bereits hergestellten Stoffes gedruckt wird. Das Muster wird unmittelbar in das Gewebe eingearbeitet.
Für die Entwicklung von Esszimmerstühlen ist dieser Unterschied von großer Bedeutung.
Jacquard sollte daher nicht als letzte dekorative Schicht betrachtet werden, die einem bereits fertig entwickelten Stuhl hinzugefügt wird. Stoff, Muster und Stuhlform müssen gemeinsam entwickelt werden.
Die entscheidende Frage lautet nicht:
„Wird Jacquard wieder beliebter?“
Für Möbeleinkäufer ist eine andere Frage wesentlich hilfreicher:
„Wie können wir Jacquard einsetzen, um Tiefe und einen eigenständigen Charakter zu schaffen, ohne dass der Stuhl traditionell, optisch schwer oder schwer vermarktbar wirkt?“
Ein Stoffmuster zeigt nicht das vollständige Ergebnis
Ein Jacquardstoff kann sehr eindrucksvoll wirken, wenn er als flaches Stoffmuster präsentiert wird.
Ein Esszimmerstuhl ist jedoch keine flache Fläche.
Der Stoff muss sich möglicherweise an folgende Bereiche anpassen:
eine gebogene Rückenlehne;
eine abgerundete Sitzkante;
eine schmale innere Rückenfläche;
eine gepolsterte Armlehne;
Keder oder Ziernähte;
Übergänge zwischen unterschiedlich starken Schaumstoffschichten.
Sobald der Stoff über diese Flächen gespannt wird, kann sich das Erscheinungsbild des Musters deutlich verändern.
Ein Muster, das auf einer Musterkarte ausgewogen wirkt, kann für eine schmale Rückenlehne zu groß sein. Eine geometrische Musterwiederholung kann an einer gebogenen Sitzkante verzerrt erscheinen. Ein Muster mit festgelegter Laufrichtung kann uneinheitlich wirken, wenn Rückenlehne und Sitzfläche getrennt zugeschnitten werden.
Aus diesem Grund kann es riskant sein, einen Jacquardstoff ausschließlich anhand eines Stoffkatalogs auszuwählen.
Der Stoff muss auf dem tatsächlichen Stuhl beurteilt werden.

Zeitgemäße Stühle benötigen Oberflächenwirkung statt zusätzlicher Verzierung
Viele heutige Esszimmerstühle erhalten weichere und stärker plastisch geformte Gestaltungen.
Wir sehen zunehmend abgerundete Rückenlehnen, natürliche Linienführungen, durchgehende Rundungen und Stühle, die aus mehreren Blickrichtungen betrachtet werden sollen, anstatt dauerhaft mit der Rückseite an einer Wand zu stehen.
Diese Formen bieten gute Voraussetzungen für den Einsatz von Jacquard.
Da das Muster Bestandteil der Gewebestruktur ist, kann es auf natürliche Weise mit Licht und Schatten wirken. Es kann einer gebogenen Fläche mehr Tiefe verleihen, die Form einer Rückenlehne hervorheben und einem vergleichsweise schlichten Stuhl einen stärkeren optischen Charakter geben.
Dies funktioniert jedoch nur, wenn die Gestaltung des Stuhls selbst zurückhaltend und ausgewogen bleibt.
Wird ein ausdrucksstarker Jacquardstoff mit zu vielen weiteren Gestaltungselementen kombiniert – etwa mit tiefen Steppungen, Ziernähten, andersfarbigen Kedern, aufwendig geformten Beinen und mehreren unterschiedlichen Werkstoffen –, kann das Ergebnis schnell optisch überladen wirken.
Die Mustergröße muss zur Größe des Möbelstücks passen

In vielen Fällen ist folgender Ansatz besser geeignet:
Mehr Tiefe im Stoff, aber weniger Verzierung am Stuhl.
Eine schlichte Form gibt einem deutlich strukturierten Gewebe den notwendigen Raum, seine Wirkung zu entfalten.
Die Mustergröße muss zur Größe des Möbelstücks passen
Eine der wichtigsten Entscheidungen betrifft das Verhältnis zwischen der Größe des Musters und der Größe der gepolsterten Fläche.
Esszimmerstühle besitzen im Allgemeinen kleinere gepolsterte Flächen als Sofas oder Ruhesessel. Deshalb eignet sich ein Muster, das für ein großes Sofa entwickelt wurde, nicht zwangsläufig auch für einen Esszimmerstuhl.
Ist die Musterwiederholung zu groß, ist auf jedem Stuhl möglicherweise nur ein Teil des vollständigen Musters zu sehen. Dadurch können zwei Stühle aus derselben Fertigungsreihe deutlich unterschiedlich aussehen.
Ist das Muster hingegen zu klein, kann eine unruhige Gesamtwirkung entstehen, insbesondere wenn es gleichzeitig auf Sitzfläche, Rückenlehne und Armlehnen verwendet wird.
Die Spannung des Bezuges verändert das Muster
Einkäufer und Produktentwickler sollten deshalb folgende Punkte berücksichtigen:
die Abmessungen der Musterwiederholung;
die sichtbare Fläche von Sitz und Rückenlehne;
die Laufrichtung des Musters;
die Lage von Nähten und Kedern;
den zusätzlichen Stoffverbrauch, der für eine genaue Musterausrichtung erforderlich ist;
die erwartete Übereinstimmung zwischen den einzelnen Stühlen.
Dabei handelt es sich nicht nur um Gestaltungsfragen.
Diese Punkte beeinflussen unmittelbar den Materialverbrauch, die Wirtschaftlichkeit des Zuschnitts, die Herstellungskosten und das einheitliche Erscheinungsbild einer vollständigen Verkaufsgarnitur.
Die Spannung des Bezuges verändert das Muster

Jacquard verhält sich außerdem unterschiedlich, je nachdem, wie der Stuhl im Inneren aufgebaut ist.
Schaumstoffdichte, Sitzwölbung, Bezugsspannung und Nähverfahren können beeinflussen, wie das Muster am fertigen Erzeugnis erscheint.
Wird der Stoff zu stark gespannt, kann sich das Muster verziehen oder einen Teil seiner räumlichen Wirkung verlieren. Ist der Bezug zu locker, können Falten entstehen, die den gleichmäßigen Verlauf des Musters unterbrechen.
Dies ist besonders wichtig bei Stühlen mit:
Sitzflächen mit Taschenfederkern;
dicken Schaumstoffschichten;
abgerundeten Rückenlehnen;
stark ausgeformten vorderen Sitzbereichen;
geformten Seitenflächen.
Ein erfolgreiches erstes Ausführungsmuster erfordert deshalb die Zusammenarbeit zwischen Gestaltung, Stofflieferant, Schnittentwicklung, Näherei und Polsterei.
Der Stoff kann nicht losgelöst vom Stuhl freigegeben werden.
Eine überzeugende Gestaltungsübersicht ist nur der Anfang

Ein Jacquardstoff kann in einer Gestaltungsübersicht, einer Präsentation im Ausstellungsraum oder einer rechnerisch erzeugten Darstellung vollkommen passend erscheinen.
Bei einer gewerblich vermarkteten Esszimmerstuhlkollektion müssen Einkäufer jedoch zusätzlich folgende Fragen stellen:
Kann das Muster beim Zuschnitt gleichmäßig und wiederholbar angeordnet werden?
Bleibt das Muster auf gebogenen und schmalen Bauteilen ausgewogen?
Kann die Näherei die Musterausrichtung entlang der Nähte einheitlich beibehalten?
Passt der Stoff zum ausgewählten Schaumstoff und zur vorgesehenen Bezugsspannung?
Wie viel zusätzliches Material wird benötigt, um die Lage des Musters kontrollieren zu können?
Kann dieselbe Gestaltungssprache auf mehrere Stuhlmodelle übertragen werden?
Bleiben Farbe und Muster auch bei unterschiedlichen Fertigungsreihen ausreichend einheitlich?
An diesem Punkt wird die Erfahrung des Herstellers besonders wichtig.
Ein Lieferant sollte nicht lediglich einen ausgewählten Stoff entgegennehmen und ihn auf einen bereits vorhandenen Stuhl aufziehen. Er sollte dabei helfen festzustellen, ob Gewebe, Aufbau und Herstellungsverfahren wirtschaftlich und technisch miteinander vereinbar sind.

Vom einzelnen Stuhl zur vollständigen Kollektion
Jacquard gewinnt besonders dann an Wert, wenn er als Bestandteil einer abgestimmten Kollektion entwickelt wird.
Dieselbe textile Gestaltungsrichtung könnte auf folgende Möbelstücke übertragen werden:
einen Esszimmerstuhl ohne Armlehnen;
einen Armlehnstuhl;
einen Barstuhl;
einen kleinen Ruhesessel;
eine Sitzbank oder einen Beistellstuhl.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass jedes Erzeugnis vollständig mit demselben Muster bezogen werden muss.
Bei einer vielseitigeren Kollektion kann Jacquard beispielsweise auf der Innenseite der Rückenlehne eingesetzt werden, während Sitzfläche oder äußere Rückenfläche mit einem passenden einfarbigen Stoff bezogen werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den gemusterten Stoff nur beim Leitmodell zu verwenden und dieselbe Farbwelt auf schlichtere, leichter vermarktbare Modelle zu übertragen.
Dadurch entsteht ein deutlicher Wiedererkennungswert, ohne dass die gesamte Kollektion zu dekorativ wirkt.
Zugleich können Einkäufer auf diese Weise die Marktpositionierung, die Materialkosten und den Verkaufspreis verschiedener Artikelvarianten besser aufeinander abstimmen.
Die richtige Beurteilung erfolgt an einem vollständigen Ausführungsmuster
Bei unserer Entwicklung von Esszimmerstühlen bei ASKT sind wir der Auffassung, dass ein Bezug aus mehreren Blickrichtungen beurteilt werden muss.
Ein vollständiges Ausführungsmuster sollte von vorn, von der Seite und von hinten geprüft werden. Darüber hinaus sollte es unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen betrachtet werden, da sich die Wirkung von Jacquard deutlich verändern kann, wenn das Licht über die gewebte Oberfläche wandert.
Wir achten insbesondere auf folgende Punkte:
wie das Muster den Rundungen des Stuhls folgt;
ob Sitzfläche und Rückenlehne optisch miteinander verbunden wirken;
wie Nähte den Musterverlauf unterbrechen oder unterstützen;
ob der Stoff unerwünschte Verformungen zeigt;
wie die Farbe mit Metall- oder Holzgestellen zusammenwirkt;
ob sich die Gestaltung in der Serienfertigung gleichmäßig wiederholen lässt.
Das Ziel besteht nicht lediglich darin, ein ansprechendes Musterstück herzustellen.
Das Ziel besteht darin, einen Stuhl zu entwickeln, der wiederholt hergestellt, von Händlern verständlich präsentiert und innerhalb eines vollständigen Auftrags mit gleichbleibendem Erscheinungsbild geliefert werden kann.
Jacquard kehrt nicht zurück, weil Möbel älter aussehen sollen
Der Beitrag von FABB bietet eine hilfreiche Sichtweise, um das wieder zunehmende Interesse an Jacquard zu verstehen.
Es handelt sich dabei nicht zwangsläufig um eine Rückkehr zu geschichtlich geprägten Innenräumen oder traditionellen Verzierungen.
Zeitgemäße Möbel werden fühlbarer, räumlicher und plastischer. Da Stühle weichere Formen erhalten und aus allen Richtungen stärker sichtbar sind, bieten flach wirkende Oberflächen möglicherweise nicht mehr genügend Tiefe.
Jacquard erfüllt dieses Bedürfnis, weil die Gestaltung im Material selbst enthalten ist.
Sein Wert hängt jedoch davon ab, wie überlegt er eingesetzt wird.

Für Möbeleinkäufer und Produktentwicklungsmannschaften ist möglicherweise nicht entscheidend, ob Jacquard derzeit als zeitgemäß gilt.
Die wichtigere Frage könnte lauten:
Wurde das Muster für den Stuhl ausgewählt, oder wurde der Stuhl so gestaltet, dass er mit dem Muster zusammenwirkt?
Wenn Stoff, Aufbau und Herstellungsverfahren gemeinsam betrachtet werden, kann Jacquard weit mehr leisten, als einen Esszimmerstuhl lediglich zu verzieren.
Er kann zu einem wesentlichen Bestandteil der Identität des Stuhls werden.
Vielen Dank an Fabb sp. z o.o. für den Anstoß zu diesen Überlegungen über das Zusammenspiel von Gewebestruktur und zeitgemäßer Möbelgestaltung.




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