EN 1021-1 und EN 1021-2: Brandschutzprüfungen für Polstermöbel


Europäische Möbelhändler und Einkäufer stoßen bei der Beschaffung von gepolsterten Esszimmerstühlen, Sesseln und Objektmöbeln häufig auf die Normen EN 1021-1 und EN 1021-2. Doch was wird bei diesen Prüfungen tatsächlich untersucht? Und wie können Einkäufer die Ergebnisse nutzen, um Möbelhersteller und Lieferanten zuverlässig zu beurteilen?
Die europäische Normenreihe EN 1021 beschreibt Prüfverfahren zur Beurteilung der Entzündbarkeit von Polstermöbeln. Dabei werden zwei unterschiedliche Zündquellen verwendet: eine glimmende Zigarette und eine kleine Gasflamme, die eine Streichholzflamme nachbildet.
Für Möbelimporteure, Großhändler und Einkäufer im Hotel- und Gaststättengewerbe ist es wichtig, diese Prüfverfahren zu verstehen. Denn ein häufiger Fehler bei der Beschaffung besteht darin, davon auszugehen, dass ein schwer entflammbarer Bezugsstoff automatisch bedeutet, dass auch der fertig gepolsterte Stuhl die entsprechenden Anforderungen erfüllt.
Was ist die Norm EN 1021?
Die europäische Normenreihe EN 1021 legt Prüfverfahren fest, mit denen das Entzündungsverhalten von Polstermöbeln bei Einwirkung bestimmter Zündquellen untersucht wird.
Die Normenreihe besteht aus zwei Teilen:
EN 1021-1: Prüfung der Entzündbarkeit durch eine glimmende Zigarette.
EN 1021-2: Prüfung der Entzündbarkeit durch eine einer Streichholzflamme entsprechende Gasflamme.
Beide Prüfverfahren sind für gepolsterte Sitzmöbel relevant. Dazu gehören unter anderem Esszimmerstühle, Sofas, Sessel und weitere Sitzmöbel mit textilen Bezügen und Polstermaterialien.
In Deutschland begegnet Einkäufern häufig die Bezeichnung DIN EN 1021. Dabei handelt es sich um die deutsche Übernahme der europäischen Norm.
Wichtig ist die Unterscheidung: Die EN 1021 ist eine Prüfnorm und keine allgemeingültige Brandschutzzulassung für sämtliche Möbelanwendungen in Europa. Welche Anforderungen tatsächlich gelten, hängt vom jeweiligen Absatzmarkt, dem vorgesehenen Einsatzbereich sowie den einschlägigen gesetzlichen Vorschriften und projektspezifischen Vorgaben ab.
EN 1021-1 und EN 1021-2: Wo liegen die Unterschiede?
Obwohl beide Normteile das Entzündungsverhalten von Polstermöbeln untersuchen, unterscheiden sie sich hinsichtlich der verwendeten Zündquelle.
Prüfmerkmal | EN 1021-1 | EN 1021-2 |
Zündquelle | Glimmende Zigarette | Einer Streichholzflamme entsprechende Gasflamme |
Untersuchte Entzündungsgefahr | Entzündung durch Glimmen | Entzündung durch eine kleine offene Flamme |
Typischer Prüfaufbau | Polsterverbund | Polsterverbund |
Beurteilung | Anzeichen einer fortschreitenden Entzündung | Anzeichen einer flammenden oder fortschreitenden Entzündung |
Bedeutung für Einkäufer | Widerstandsfähigkeit gegenüber einer glimmenden Zigarette | Widerstandsfähigkeit gegenüber einer kleinen offenen Flamme |
Ein bestandenes Prüfergebnis nach EN 1021-1 bedeutet nicht automatisch, dass derselbe Polsterverbund auch die Prüfung nach EN 1021-2 besteht.
EN 1021-1: Prüfung mit einer glimmenden Zigarette
Die EN 1021-1 untersucht, ob sich ein Polsterverbund durch eine glimmende Zigarette entzünden kann.
Während der Prüfung wird eine festgelegte Zigarette unter kontrollierten Bedingungen auf dem Polsterverbund platziert. Anschließend wird beobachtet, ob Anzeichen einer fortschreitenden Glimm- oder Flammenentzündung auftreten.
Für Möbeleinkäufer liefert diese Prüfung wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich eine bestimmte Kombination aus Bezugsstoff und Polstermaterial bei Kontakt mit dieser Zündquelle verhält.
EN 1021-2: Prüfung mit einer nachgebildeten Streichholzflamme
Die EN 1021-2 untersucht die Entzündbarkeit eines Polsterverbunds bei Einwirkung einer kleinen Gasflamme, die eine Streichholzflamme nachbildet.
Die Flamme wird unter festgelegten Bedingungen an den Prüfaufbau gehalten. Anschließend wird beurteilt, ob und in welcher Form eine Entzündung auftritt.
Dieses Prüfverfahren untersucht ein anderes Entzündungsszenario als die EN 1021-1.
Einkäufer sollten deshalb vor der Auftragserteilung klären, ob für das jeweilige Möbelprojekt eine der beiden Prüfungen, beide Prüfungen oder zusätzliche Nachweise zum Brandverhalten erforderlich sind.
Bedeutet ein schwer entflammbarer Bezugsstoff, dass der gesamte Stuhl die EN 1021 erfüllt?

Nicht unbedingt.
Ein besonders wichtiger Faktor bei der Prüfung gepolsterter Möbel ist das Zusammenspiel zwischen dem Bezugsstoff und den darunterliegenden Polstermaterialien.
Ein gepolsterter Esszimmerstuhl kann aus mehreren unterschiedlichen Materialien bestehen:
Möbelbezugsstoff
Polyurethanschaum
Zwischenlagen oder Schutzschichten
Zusätzliche Polster- und Vliesschichten
Tragende Bestandteile der Sitz- und Rückenlehnenkonstruktion
Das Brandverhalten des geprüften Polsterverbunds kann wesentlich davon abhängen, wie diese Materialien miteinander kombiniert werden.
Ein Bezugsstoff, der zusammen mit einem bestimmten Schaumstoff ein günstiges Prüfergebnis erzielt, kann sich beispielsweise in Verbindung mit einem anderen Schaumstoff anders verhalten.
Daraus ergibt sich ein konkretes Beschaffungsrisiko.
Ein Lieferant kann einen Prüfbericht nach EN 1021 für einen bestimmten Polsteraufbau vorlegen, während beim tatsächlich bestellten Esszimmerstuhl eine andere Materialkombination verwendet wird.
Für gewerbliche Möbeleinkäufer ist deshalb nicht allein entscheidend, ob ein Bezugsstoff geprüft wurde. Entscheidend ist vielmehr, ob sich der vorliegende Prüfnachweis auf die tatsächlich bestellte Produktausführung übertragen lässt.
Für welche Möbel und Einsatzbereiche sollten Einkäufer eine Brandschutzprüfung berücksichtigen?
Prüfungen nach EN 1021 können für verschiedene Arten gepolsterter Sitzmöbel relevant sein.
Möbelart und Einsatzbereich | Worauf Einkäufer achten sollten |
Gepolsterte Esszimmerstühle für den Wohnbereich | Anforderungen des Absatzmarktes und Vorgaben des Möbelhändlers prüfen |
Gepolsterte Restaurantstühle | Die im jeweiligen Projekt festgelegten Anforderungen an das Brandverhalten klären |
Polstersessel für Hotels | Brandschutzanforderungen des Hotelbetriebs und örtliche Vorschriften berücksichtigen |
Büro- und Konferenzstühle | Vorgaben für gewerblich genutzte Sitzmöbel prüfen |
Objektmöbel | Ausschreibungsunterlagen und geforderte Prüfnachweise sorgfältig kontrollieren |
Bei gewerblichen Möbelprojekten können zusätzliche Anforderungen gelten, die über die Prüfungen nach EN 1021 hinausgehen.
Einkäufer sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass ein Möbelstück allein durch bestandene Prüfungen nach EN 1021-1 und EN 1021-2 automatisch sämtliche Brandschutzanforderungen für Hotels, Restaurants oder öffentlich zugängliche Räume erfüllt.
EN 1021 und BS 5852: Sind die Normen miteinander vergleichbar?
Sowohl die europäische Normenreihe EN 1021 als auch die britische Norm BS 5852 befassen sich mit der Prüfung des Entzündungsverhaltens von Polstermöbeln. Dennoch dürfen die beiden Normen nicht als gleichwertig oder beliebig austauschbar betrachtet werden.
Die EN 1021-1 und EN 1021-2 behandeln die Entzündbarkeit bei Einwirkung einer glimmenden Zigarette beziehungsweise einer nachgebildeten Streichholzflamme.
Die BS 5852 umfasst Prüfverfahren mit unterschiedlichen Zündquellen und Prüfaufbauten. Bei bestimmten gewerblichen Möbelprojekten können ausdrücklich einzelne Zündquellenstufen nach BS 5852 gefordert werden.
Bei der Beschaffung von Möbeln für den britischen Markt müssen die geltenden Anforderungen anhand der einschlägigen gesetzlichen Vorschriften, der jeweiligen Möbelkategorie und des vorgesehenen Einsatzbereichs geprüft werden.
Ein Prüfbericht nach EN 1021 allein sollte nicht als ausreichender Nachweis für die Einhaltung der britischen Brandschutzvorschriften für Möbel angesehen werden.
Warum können Polstermöbel bei einer Brandschutzprüfung durchfallen?
Das Ergebnis einer Brandschutzprüfung kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden.
1. Zusammensetzung des Bezugsstoffs
Unterschiedliche Fasern, Gewebekonstruktionen und Oberflächenausrüstungen können bei Einwirkung einer Zündquelle ein unterschiedliches Brandverhalten zeigen.
Deshalb reicht es nicht aus, ausschließlich die Farbe oder die äußere Beschaffenheit eines Möbelstoffs zu beurteilen.
2. Schaumstoffe und Füllmaterialien
Die unter dem Bezugsstoff eingesetzten Polstermaterialien können das Entzündungsverhalten des gesamten geprüften Polsterverbunds beeinflussen.
Auch wenn zwei Esszimmerstühle mit demselben Bezugsstoff ausgestattet sind, können unterschiedliche Schaumstoffe zu unterschiedlichen Prüfergebnissen führen.
3. Änderungen der Materialspezifikation
Werden Bezugsstoff, Schaumstoff, Zwischenlagen oder andere relevante Bestandteile verändert, kann dies Auswirkungen auf die Übertragbarkeit vorhandener Prüfergebnisse haben.
Für Möbelhersteller und Einkäufer bedeutet dies, dass Materialänderungen während der Produktentwicklung oder Serienfertigung sorgfältig geprüft werden müssen.
4. Gleichbleibende Materialqualität in der Serienproduktion
Ein geprüftes Muster ist für die Beschaffungsentscheidung nur dann aussagekräftig, wenn die relevanten Materialien und Konstruktionsmerkmale auch während der späteren Serienproduktion zuverlässig eingehalten werden.
Gerade bei größeren Bestellmengen gepolsterter Esszimmerstühle sind deshalb eindeutige Materialspezifikationen und eine konsequente Qualitätskontrolle besonders wichtig.
Wie sollten europäische Einkäufer einen Prüfbericht nach EN 1021 kontrollieren?
Vor der Freigabe einer Möbelbestellung sollten Einkaufsabteilungen die folgenden Punkte überprüfen:
Angewendete Prüfnorm: Bezieht sich der Prüfbericht auf EN 1021-1, EN 1021-2 oder beide Normteile?
Geprüfte Materialien: Welche Bezugsstoffe, Schaumstoffe und weiteren relevanten Polsterbestandteile wurden untersucht?
Prüfergebnis: Sind das Ergebnis und die während der Prüfung gemachten Beobachtungen eindeutig dokumentiert?
Identifizierung des Prüfmusters: Kann der Lieferant nachvollziehbar belegen, dass das geprüfte Muster der angebotenen Produktausführung entspricht?
Materialänderungen: Wurden seit der Prüfung relevante Materialien oder Bestandteile verändert?
Projektanforderungen: Erfüllen die vorhandenen Prüfnachweise die für das jeweilige Möbelprojekt festgelegten Anforderungen?
Bei Möbelprojekten mit kundenspezifischer Entwicklung und Fertigung sollten diese Fragen bereits während der Musterentwicklung geklärt werden.
Wer die Brandschutzanforderungen erst nach Beginn der Serienproduktion überprüft, riskiert zusätzliche Abstimmungen, Materialänderungen und Verzögerungen.
Welche Fragen sollten Einkäufer ihrem Möbellieferanten stellen?
Bei der Beschaffung gepolsterter Esszimmerstühle oder Sitzmöbel für Hotels und Gastronomiebetriebe sollten Einkäufer klare Angaben zum vorgesehenen Polsteraufbau und zu den verfügbaren Prüfnachweisen verlangen.
Folgende Fragen sind besonders hilfreich:
Können Sie die entsprechenden Prüfberichte nach EN 1021 vorlegen?
Welche Kombination aus Bezugsstoff und Polstermaterial wurde tatsächlich geprüft?
Werden bei dem angebotenen Stuhl dieselben relevanten Materialien verwendet?
Können bei zusätzlichen Prüfanforderungen alternative Polsteraufbauten entwickelt werden?
Wie stellen Sie sicher, dass die freigegebenen Materialien auch während der Serienproduktion verwendet werden?
Diese Fragen helfen dabei, das technische Verständnis eines Lieferanten besser einzuschätzen und Missverständnisse vor dem Versand der Ware zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen zur EN 1021
Ist die EN 1021 für alle in Europa verkauften Möbel verpflichtend?
Nein. Die EN 1021 ist eine europäische Prüfnorm. Ihre Anwendung ist jedoch nicht automatisch für sämtliche Möbelprodukte in allen europäischen Ländern gesetzlich vorgeschrieben.
Welche gesetzlichen oder vertraglichen Anforderungen gelten, hängt vom jeweiligen Absatzmarkt und dem vorgesehenen Einsatzbereich ab.
Sind EN 1021-1 und EN 1021-2 identisch?
Nein. Bei der EN 1021-1 wird eine glimmende Zigarette als Zündquelle verwendet. Die EN 1021-2 untersucht dagegen die Entzündbarkeit durch eine kleine Gasflamme, die einer Streichholzflamme entspricht.
Beide Prüfverfahren untersuchen unterschiedliche Entzündungsszenarien.
Gilt ein Prüfbericht nach EN 1021 automatisch für alle Farben eines Bezugsstoffs?
Nicht automatisch.
Einkäufer sollten prüfen, welche Materialien und Ausführungen im Prüfbericht eindeutig beschrieben sind und ob unterschiedliche Farbvarianten durch die vorhandenen Prüfnachweise abgedeckt werden.
Können Stühle mit einer Prüfung nach EN 1021 in Hotels oder Restaurants eingesetzt werden?
Grundsätzlich ist dies möglich. Ob die vorhandenen Prüfergebnisse ausreichen, hängt jedoch von den Anforderungen des jeweiligen Betriebs und Möbelprojekts ab.
Prüfergebnisse nach EN 1021 sollten deshalb immer zusammen mit weiteren geltenden Brandschutzanforderungen bewertet werden.
Brandschutzprüfungen als Bestandteil einer zuverlässigen Möbelbeschaffung

Für europäische Möbeleinkäufer sollten Prüfungen nach EN 1021 Bestandteil einer umfassenderen Lieferantenbewertung sein.
Das Verständnis der Prüfverfahren ist dabei nur der erste Schritt. Ebenso wichtig sind die Überprüfung des tatsächlich getesteten Polsterverbunds, die sorgfältige Kontrolle der Prüfberichte und die Einhaltung der vereinbarten Materialspezifikationen während der Serienproduktion.
ASKT arbeitet mit europäischen Geschäftskunden bei der Entwicklung von Esszimmerstühlen, der Auswahl geeigneter Bezugsstoffe und der kundenspezifischen Produktgestaltung zusammen.
Bei Projekten mit besonderen Anforderungen an das Brandverhalten sollten diese Vorgaben möglichst frühzeitig festgelegt werden. So können geeignete Materialien und erforderliche Prüfungen bereits vor Produktionsbeginn abgestimmt werden.
Das Ziel ist klar: Fundierte Beschaffungsentscheidungen auf Grundlage eindeutiger Produktspezifikationen und nachvollziehbarer Prüfnachweise – statt auf Grundlage allgemeiner Aussagen über schwer entflammbare Materialien.




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