„Nachhaltig“ reicht nicht mehr: Was Möbelmarken 2027 belegen müssen


Wenn ein Lieferant einen Stuhl als „nachhaltig“ bezeichnet, sollten Möbelkäufer eine einfache Frage stellen: Was genau ist damit gemeint – und womit lässt es sich belegen?
Ein Stuhl kann in einer Verpackung mit papierbasierten Schutzmaterialien geliefert werden. Er kann ein zertifiziertes Holzbauteil, einen Stoff mit Recyclinganteil oder austauschbare Komponenten haben. Das sind relevante Eigenschaften. Sie machen jedoch nicht automatisch den gesamten Stuhl „nachhaltig“.
Für Marken und Händler, die Möbel in Deutschland und der EU verkaufen, wird diese Unterscheidung immer wichtiger. Seit dem 27. September 2026 gelten neue EU-Vorgaben für Umweltaussagen gegenüber Verbrauchern. Pauschale Begriffe wie „grün“ oder „umweltfreundlich“ lassen sich nicht einfach ohne passende Grundlage verwenden. Auch für Nachhaltigkeitssiegel gelten strengere Anforderungen.
Die Konsequenz für den Möbeleinkauf: Eine gute Umweltaussage muss konkret, zutreffend und überprüfbar sein.

Weniger Schlagwort, mehr Produktinformation
Vergleichen wir zwei Aussagen:
„Unsere Esszimmerstühle sind nachhaltig.“
„Dieses Modell wird mit papierbasierten Schutzmaterialien verpackt. Die Materialspezifikation der Verpackung stellen wir auf Anfrage zur Verfügung.“
Die zweite Aussage ist klar eingegrenzt. Ein Einkäufer kann die Spezifikation prüfen und entscheiden, wie er die Verpackung im eigenen Sortiment beschreibt. Gleichzeitig wird eine Eigenschaft der Verpackung nicht zu einer pauschalen Aussage über den gesamten Stuhl.
Dasselbe Prinzip gilt für andere Materialien und Funktionen:
Zertifiziertes Holz: Welches Bauteil ist erfasst, und welches Dokument belegt die Angabe?
Stoff mit Recyclinganteil: Auf welchen Stoff bezieht sich die Aussage, und wie hoch ist der nachgewiesene Anteil?
Austauschbare Teile: Welche Komponenten lassen sich tatsächlich ersetzen, und wie funktioniert die Beschaffung von Ersatzteilen?
Je genauer die Aussage, desto leichter lässt sie sich in Produktdaten, Katalogen und Angeboten korrekt verwenden.
Vier Fragen, die Möbelkäufer ihren Lieferanten stellen sollten
1. Worauf bezieht sich die Aussage? Auf den kompletten Stuhl, ein einzelnes Bauteil, die Verpackung oder einen Produktionsschritt? Dieser Umfang sollte in allen Verkaufsunterlagen eindeutig sein.
2. Gibt es Nachweise für genau dieses Modell? Materialspezifikationen, Prüfberichte und Zertifikate müssen zum angebotenen Artikel passen. Eine allgemeine Unternehmensbroschüre ersetzt keinen Nachweis für die betreffende SKU.
3. Was bestätigt ein verwendetes Siegel tatsächlich? Ein selbst gestaltetes grünes Symbol ist kein unabhängiges Zertifikat. Vor der Übernahme eines Siegels in die eigene Werbung sollten Käufer prüfen, wer es vergibt und welche Eigenschaften es abdeckt.
4. Was passiert, wenn sich das Produkt ändert? Ein anderer Bezugsstoff, ein neues Holzbauteil oder eine geänderte Verpackung kann die Grundlage einer Aussage verändern. Deshalb müssen Produktdaten und Marketingtexte gemeinsam aktualisiert werden.
Glaubwürdige Aussagen beginnen in der Produktentwicklung
Die Arbeit an belastbaren Angaben beginnt lange vor dem Schreiben eines Werbetextes. Entwicklung und Einkauf benötigen nachvollziehbare Informationen zu Materialien, Konstruktion und Verpackung. Das Vertriebsteam muss wissen, welche Unterlagen es Handelspartnern für ein bestimmtes Modell bereitstellen kann.
Für eine Esszimmerstuhl-Kollektion kann eine gut gepflegte Produktakte beispielsweise Materialspezifikationen, Verpackungsaufbau, relevante Prüfergebnisse und modellbezogene Nachweise zusammenführen. Sie hilft Einkäufern, Produkte fundierter zu vergleichen und eigene Artikelbeschreibungen präziser zu formulieren.
Bei ASKT betrachten wir diese Transparenz als Teil einer guten Zusammenarbeit mit unseren B2B-Kunden. Denn neben Design und Preis zählen für Händler auch Fragen, die im Alltag Wirkung zeigen: Wie ist der Stuhl konstruiert? Wie wird er geschützt und verpackt? Welche Eigenschaften sind geprüft? Und welche Angaben lassen sich für das konkrete Modell belegen?

Die entscheidende Frage für 2027
Möbelmarken können weiterhin über Verbesserungen bei Materialien, Verpackung und Produktgestaltung sprechen. Entscheidend ist, die jeweilige Verbesserung genau zu benennen und nicht mehr zu versprechen, als die Unterlagen hergeben.
Fragen Sie bei der nächsten Kollektion deshalb nicht nur: „Ist dieser Stuhl nachhaltig?“
Fragen Sie:
Was wurde verbessert? Worauf bezieht sich die Aussage? Und wie können wir sie überprüfen?
Diese Antworten helfen Einkäufern mehr als ein Schlagwort – und geben Kunden einen nachvollziehbaren Grund, einer Aussage zu vertrauen.
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