Was uns der deutsche Möbelmarkt 2026 über bessere Einkaufsentscheidungen zeigt


Der deutsche Möbelmarkt steht weiterhin unter Druck.
Nach Angaben der Verbände der Deutschen Möbelindustrie (VDM) erzielte die deutsche Möbelindustrie im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von rund 7,7 Milliarden Euro – ein Rückgang von 2,7 % gegenüber dem Vorjahr.
Im Inland fiel der Rückgang mit 4,1 % sogar noch deutlicher aus.
Für alle, die im Bereich Wohn- und Esszimmermöbel tätig sind, sind die Zahlen besonders relevant: Der Umsatz mit Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln sowie Möbelteilen sank um rund 5 %, bei Polstermöbeln lag das Minus sogar bei etwa 10 %.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der VDM derzeit einen Umsatzrückgang der deutschen Möbelindustrie von rund 3 %.
Doch für Einkäufer, Lieferanten und Produktentwickler ist aus meiner Sicht nicht die wichtigste Frage:
„Wie schwierig ist der Markt gerade?“
Die wichtigere Frage lautet:
„Was verändert dieser Markt bei der Auswahl neuer Produkte?“
Genau hier wird es interessant.
In einem schwierigen Markt muss jede SKU mehr leisten
Wenn die Nachfrage stark ist, haben Händler mehr Spielraum für Experimente.
Eine neue Silhouette, ein ungewöhnlicher Bezugsstoff oder eine Trendfarbe können manchmal schon ausreichen, um ein weiteres Produkt ins Sortiment aufzunehmen.
Wenn Verbraucher jedoch zurückhaltender werden und der Wettbewerbsdruck steigt, wird eine falsche SKU deutlich teurer.
Lagerbestände drehen langsamer.
Preise lassen sich leichter vergleichen.
Rabattaktionen drücken auf die Marge.
Und Produkte mit hohen Retourenquoten verlieren sehr schnell ihre wirtschaftliche Attraktivität.
Damit verändert sich auch das Gespräch zwischen Einkäufer und Lieferant.
Die erste Frage sollte nicht mehr nur lauten:
„Ist dieses Design neu?“
Sondern:
„Kann dieses Produkt wirtschaftlich funktionieren?“
Für mich hängt das vor allem von vier Punkten ab.

1. Wird sich diese SKU tatsächlich verkaufen?
Design bleibt wichtig.
Aber „neu“ bedeutet nicht automatisch „kommerziell erfolgreich“.
Ein Esszimmerstuhl kann im Showroom hervorragend aussehen und trotzdem im Onlinehandel oder auf der Verkaufsfläche Schwierigkeiten haben.
Die Proportionen passen vielleicht nicht zur Zielgruppe.
Die Sitzfläche sieht bequem aus, fühlt sich aber zu hart an.
Eine Farbe wirkt auf Produktfotos attraktiv, lässt sich jedoch nur schwer mit bestehenden Esstischen kombinieren.
Oder ein trendiges Detail macht den Stuhl zwar auffällig, schränkt gleichzeitig aber die potenzielle Zielgruppe ein.
Deshalb sollte Produktentwicklung aus meiner Sicht nicht allein beim Designer beginnen.
Sie sollte beim Markt beginnen.
Für den deutschen Markt betrachten wir beispielsweise zunehmend Fragen wie:
Welche Bezugsstoffe gewinnen aktuell an Bedeutung?
Werden Drehstühle stärker nachgefragt als Modelle mit festem Gestell?
Für welche Anwendungen bietet eine Auto-Return-Funktion tatsächlich einen kommerziellen Mehrwert?
Welche Farben funktionieren mit unterschiedlichen Einrichtungsstilen?
Und lässt sich dasselbe Stuhlmodell durch unterschiedliche Stoffe, Nähte oder Gestellvarianten in mehreren Preissegmenten positionieren?
Das Ziel sollte nicht darin bestehen, einfach mehr neue Designs zu entwickeln.
Das Ziel sind mehr verkaufsfähige Produkte.
2. Bleibt das Produkt auch nach der Auslieferung wirtschaftlich?
Hier liegt einer der größten Unterschiede zwischen der Betrachtung eines Produkts und der Betrachtung seines tatsächlichen Business Cases.
Ein Stuhl kann im Einkauf etwas günstiger sein.
Wenn er jedoch mehr Reklamationen, Montageprobleme oder Retouren verursacht, verschwindet dieser Preisvorteil sehr schnell.
Stellen wir uns vor, dass ein kleines Problem bei 500 oder 1.000 Stück immer wieder auftritt:
Ein Drehmechanismus beginnt Geräusche zu machen.
Ein Gestell entwickelt nach wiederholter Belastung leichtes Spiel.
Die Nähte unterscheiden sich zwischen verschiedenen Produktionschargen.
Oder der Karton schützt das Produkt beim Paketversand nicht ausreichend.
Das einzelne Problem wirkt vielleicht klein.
Die wirtschaftlichen Folgen sind es nicht.
Gerade für Händler und E-Commerce-Unternehmen sollte die Retourenquote deshalb als Bestandteil der tatsächlichen Produktkosten betrachtet werden.
Tests, Qualitätskontrolle und Verpackungsentwicklung sind daher keine technischen Details mehr, die erst nach der Produktauswahl relevant werden.
Sie sind Teil der Einkaufsentscheidung.
Bevor ein Produkt freigegeben wird, sollte ein Einkäufer nicht nur wissen, wie das Muster aussieht.
Er sollte auch wissen, wie sich das Produkt nach wiederholter Nutzung, Transport und Montage verhält.
3. Funktioniert die Marge auch noch, nachdem das Produkt die Fabrik verlassen hat?
Beim Möbeleinkauf konzentriert sich die Diskussion häufig auf eine besonders sichtbare Zahl:
den FOB-Preis.
Doch der FOB-Preis ist nur ein Teil der Rechnung.
Bei einem wirtschaftlich erfolgreichen Produkt spielen auch andere Faktoren eine Rolle:
Kartonvolumen
Container-Auslastung
Verpackungsmaterial
Montageaufwand
Transportschäden
Ersatzteile
Retourenquote
Garantie- und Reklamationsfälle
Ein Stuhl, der im Einkauf 2 Euro günstiger ist, aber deutlich mehr Platz im Container benötigt, muss am Ende nicht wirklich günstiger sein.
Ein vollständig montiertes Produkt kann für den Endkunden attraktiv sein, gleichzeitig aber unnötig hohe Logistikkosten verursachen.
Und eine Verpackung, bei der pro Karton ein kleiner Betrag eingespart wird, kann teuer werden, sobald die Transportschäden steigen.
Deshalb sollten Einkäufer meiner Meinung nach zunehmend die Gesamtwirtschaftlichkeit eines Produkts betrachten – nicht nur den Stückpreis.
Die günstigste SKU ab Werk ist nicht automatisch die profitabelste SKU im Handel.
4. Kann der Lieferant dasselbe Ergebnis 1.000-mal reproduzieren? Möbelmarkt

Ein gutes Muster beweist, dass ein Produkt einmal gut hergestellt werden kann.
Es beweist noch nicht, dass es auch in Serie konstant produziert werden kann.
Dieser Unterschied ist entscheidend.
Sobald aus zwei Mustern eine Bestellung über 500 oder 1.000 Stühle wird, entstehen völlig andere Fragen.
Bleibt die Farbe des Bezugsstoffs über verschiedene Chargen hinweg konstant?
Bleiben Schweißpunkte und Abmessungen innerhalb der Toleranzen?
Fühlt sich jeder Drehmechanismus gleich an?
Bleibt die Position der Nähte konsistent?
Können Ersatzteile später zuverlässig geliefert werden?
Und entspricht die nächste Produktionscharge tatsächlich wieder der ersten?
Für Einkaufsteams ist Konsistenz häufig wertvoller als Perfektion.
Denn ein berechenbarer Lieferant erleichtert Bestandsplanung, After-Sales-Service und Nachbestellungen.
Gerade in einem angespannten Markt besitzt diese Verlässlichkeit einen echten wirtschaftlichen Wert.
Möbeleinkauf wird zunehmend zu Risikomanagement
Natürlich bedeutet die aktuelle Situation nicht, dass Design im deutschen Möbelmarkt plötzlich keine Rolle mehr spielt.
Verbraucher wollen weiterhin attraktive Produkte.
Händler brauchen weiterhin Neuheiten.
Doch das aktuelle Marktumfeld macht eines deutlich:
Gute Produktentwicklung darf nicht beim Aussehen aufhören.
Für eine wirtschaftlich erfolgreiche SKU müssen mehrere Faktoren gleichzeitig funktionieren:
Design × Preis × Qualität × Verpackung × Logistik × Zuverlässigkeit
Fällt nur einer dieser Faktoren deutlich ab, wird das gesamte Geschäftsmodell schwächer.
Deshalb verändert sich aus meiner Sicht auch die Zusammenarbeit zwischen Möbeleinkäufern und Lieferanten.
Die interessantesten Gespräche beginnen immer seltener mit:
„Zeigen Sie mir Ihre neuesten Stühle.“
Stattdessen hören wir zunehmend Fragen wie:
„Welche Produkte haben sich bereits am Markt bewährt?“
„Wo liegen die größten Retourenrisiken?“
„Wie können wir die Container-Auslastung verbessern?“
„Welche Konstruktion bietet das beste Verhältnis aus Komfort, Preis und Haltbarkeit?“
„Können Sie diese Qualität auch in der Serienproduktion konstant liefern?“
Das sind aus meiner Sicht die wertvolleren Fragen.
Weniger falsche Produkte können wertvoller sein als mehr neue Produkte
2026 ist für die deutsche Möbelindustrie erneut kein einfaches Jahr.
Aber schwierige Märkte können auch dazu führen, dass Unternehmen bessere Entscheidungen treffen.
Wenn jede SKU ihren Platz im Sortiment rechtfertigen muss, wird die Produktauswahl disziplinierter.
Datenbasierter.
Stärker auf die tatsächlichen Gesamtkosten ausgerichtet.
Und vor allem stärker darauf fokussiert, was nach der Bestellung passiert.
Auch bei ASKT betrachten wir die Entwicklung von Esszimmermöbeln zunehmend aus dieser Perspektive.
Ein neuer Stuhl sollte nicht nur im Katalog gut aussehen.
Er sollte zum Zielmarkt passen, Tests und Transport zuverlässig überstehen, effizient zu verladen sein, in der Serienproduktion konstant bleiben und dem Händler eine realistische Möglichkeit bieten, damit profitabel zu arbeiten.
Denn im heutigen Markt gilt:
Das Ziel ist nicht, mehr SKUs auf den Markt zu bringen.
Das Ziel ist, weniger falsche SKUs auf den Markt zu bringen.
Quelle: Verbände der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Ergebnisse der deutschen Möbelindustrie für das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 1. September 2026.




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